Am See, abends. ©HeikeRost.com Alle Rechte vorbehalten.
Betrachtung

Das Licht, immer wieder

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Und da sind dann die Begegnungen. Mit dem Licht, das eine eher schlichte, unspektakuläre Landschaft auf ganz eigene Art adelt. Das Licht, das einen berührt, in Herz und Seele, die Gedanken auf Wanderschaft schickt. Mit dem Licht im Gespräch, so könnte man das nennen: Es ist ein eigenartiger Dialog, einer aus Klängen, Farben, Assoziationen und Gerüchen, der weiterschwingt in die Linienführung eines Bildes und dessen Komposition. Um das zu finden, muss man sich nicht zwangsläufig auf die Suche begeben; fast immer findet das Licht denjenigen, der offenen Auges flaniert und dessen Herz offen genug ist für diese Begegnung.

Manchmal gehören zu diesen Zusammentreffen mit dem Licht auch jene weitaus selteneren – mit Menschen, die gleichermaßen unterwegs sind. Mit dieser unbändigen Lust am Sehen und Leben, mit tiefer Zärtlichkeit und Leidenschaft für kleine Dinge und die berückenden, großen Momente, die in Schweigen und Betrachtung ihren Ursprung haben. Die in Bildern denken, weil ihre Seele das tut und gar nicht anders könnte; so wie Aristoteles es einst formulierte: »Die Seele denkt in Bildern.« Bisweilen entsteht aus solcher Begegnung wortlose Kommunikation in Bildern, jenseits der Sprache und genau deswegen umso intensiver in ihrer Stille. Bereicherung, Horizonterweiterung, des Bewahrens wert, dennoch nicht für ein Festhalten gedacht und tauglich. Vielleicht macht genau ihre vergängliche Zerbrechlichkeit diese Momente so kostbar.

Begegnung

Du fielst in meine Seele
wie ein Stein in ein Wasser,
das stille lag.
Nun zittert sein Spiegel in immer weiteren
Kreisen –
zittert!

Sie wird wieder ruhig werden,
meine Seele,
und an ihrem Grunde
ein Anderes hegen,
das einst sie zittern gemacht.

(Hermann Claudius, 1878 – 1980)